Die heilige Kuh auf der Schlachtbank

3. Februar 2010 at 09:28 (Motzen gegen Medien, Random Blah) (, , , , , , , , , , )

Es gibt 3 Dinge, die dem durchschnittlichen Schweizer per se heilig sind.

1. Die Neutralität
2. Die Autonomie
3. Das Bankgeheimnis

Letzteres befand sich seit der Wirtschaftskrise in stetiger Schusslinie aus allen Richtungen. Es dürfe ja nicht angehen, dass die Schweiz Steuerhinterziehern eine Möglichkeit gibt, ihre Millionen und Abermillionen vor dem Fiskus zu verstecken.

Je stärker der Druck von Aussen auf die Schweiz wurde oder immer noch wird, desto stärker krallt sich die Bevölkerung an das Bankgeheimnis und verteidigt es, als ginge es um die blosse Existenz der Schweiz als solches.
Auch aktuell bauschen die geliebten Medien die Emotionen wieder unnötig hoch.

Bild und Co. bezeichnen die Schweiz als Kollabolateur mit Verbrechern, Blick und Co. bezeichnen Deutschland als Hehler.

Wieso aber eigentlich der ganze Aufruhr? Versuchen wir mal das Thema Bankgeheimnis differenziert zu betrachten.

Das Bankgeheimnis definiert, dass die schweizer Banken keinerlei Kundeninformationen ohne die Erlaubnis der Bankkunden an das Ausland übergeben dürfen. Ausnahme bildet, wenn auf direkten begründeten Verdacht auf Steuerbetrug (aber nicht Steuerhinterziehung) ein Amtshilfegesuch an die Schweiz gestellt wird.

Als Erläuterung: Steuerhinterziehung bedeutet, dass man „vergisst“ die 15 Millionen auf schweizer Konten anzugeben. Steuerbetrug bedeutet, dass man mit gefälschten Dokumenten angibt nur 5 Millionen auf schweizer Konten zu haben.

Nr.2 ist strafbar in der Schweiz, Nr.1 nicht.

Ist es also den anderen Ländern wirklich zu verübeln, dass sie der Schweiz vorwerfen, dass diese Steuerhinterziehung unterstützen würde? Immerhin hindert die Schweiz niemanden daran sein Geld hier zu bunkern und weigert sich auch Daten herauszurücken ausser ein Steuerbetrüger war so dämlich aktiv Dokumente zu fälschen.

Ganz klar Jein.

Ich denke den meisten dürfte klar sein, dass das Bankgeheimnis per se ein perfektes Mittel für Steuerhinterziehung bietet, weswegen wird also vehement dafür gekämpft?
Um die Steuerhinterzieher aus dem Ausland zu schützen? Wohl kaum.
Weil der Finanzplatz Schweiz vom Bankgeheimnis abhängig ist? Laut den Banken nicht, aber schon eher.
Weil wir Schweizer uns nicht vom Ausland vorschreiben lassen wollen was wir wollen, sollen, dürfen und müssen? Bingo!

Bei einer objektiven, sachlichen und höflichen Bitte der Nachbarstaaten, würde sich das schweizer Volk kaum dermassen monieren. Immerhin geht es darum, dass irgendwelche reichen Säcke ihr Geld vor dem Finanzamt verstecken wodurch die Mehrwertsteuer wieder angehoben werden kann um die fehlenden Steuereinnahmen auszugleichen (überspitzt dargestellt).
Retten wir damit unsere Arbeitsplätze? Unsere Konjunktur? Gute Frage. Ich weiss ehrlich gesagt die Antwort nicht, gehe jedoch mal böse davon aus, dass wir mit der eisernen Verteidigung dieser heiligen Kuh lediglich den Banken und den Reichen Menschen dienlich sind. (was shizophrenerweise genau die Gruppierung darstellt, welcher der 0815-Bürger am wenigsten helfen will)

Sollten wir also von unserem Standpunkt abweichen und uns vom Bankgeheimnis trennen? Ebenfalls ein klares JEIN.

Das Bankgeheimnis ist ein veraltetes Prinzip, welches immer wieder für Konflikte sorgen wird. Also weg damit. Unter der Voraussetzung, dass die anderen Länder ihre eigenen Steuerparadiese (namentlich Luxemburg, Österreich, Liechtenstein, Monaco, die britischen Kanalsinseln, die Cayman Islands in den USA etc.) ebenfalls aufgeben.
Hier wäre eine starke Führung der Schweiz gefragt, die auch genug auf diesen Punkt pochen kann. Ob die anderen Länder auf ein schweizer Pochen jedoch überhaupt reagieren würden, bleibt stark anzuzweifeln.

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