How to standup – ein comedy tutorial

6. Juni 2013 at 14:35 (Comedy, Random Blah) (, , , , , , , , , )


Mittlerweile stehe ich seit über 8 Jahren auf deutschen Con-Bühnen und in dieser Zeit habe ich einige Fragen erhalten die mir persönlich oder via Mail gestellt wurden.

Sehr viele davon drehten sich darum wie meine Comedy eigentlich zustande kommt. Darum überlegte ich mir, einmal eine quasi-Anleitung zu schreiben wie sich Comedy aufbauen lässt, respektive wie ICH zu meiner Comedy komme.

Ein Satz den man als Komiker sehr oft hört ist. „Erzähl mir mal nen Witz.“

Einen Komiker darum zu bitten schnell einen Witz zu erzählen ist etwa genauso, wie wenn man einen Buchauthor darum bittet schnell ein Gedicht aufzusagen. Oder einen Künstler darum bittet kurz ein Pikachu zu zeichnen.

Die wenigsten Komiker stehen wirklich vorne und erzählen einen Witz nach dem Anderen. Genau genommen fällt mir persönlich kein einziger ein, welcher nur da steht und Witze erzählt.

Ein Komiker ist in den meisten Fällen eine Person die eine Geschichte erzählt. Und ich möchte mein Tutorial hiermit starten.

Das Thema

Wenn man ein Comedyprogramm vorbereitet muss man sich zuerst einmal bewusst sein, was für ein Thema man behandeln möchte, respektive welche Witze man bringen möchte.

Beim Erstellen eines Programmes hilft es Sprüche/Geschichten die man erzählen möchte aufzuschreiben.

Nehmen wir als Beispiel mein Programm „Voll im Stress“.

Das erste was fest stand waren die fünf Helfersätze. Diese mussten irgendwie in das Programm eingebaut werden. Von da an war klar, dass sich mein Programm um Helfer kümmern würde.

Als nächstes kamen Erinnerungen an meine Zeit als Helfer. Was ist in Erinnerung geblieben? Ticketinator, ohnmächtig werden, etc. etc.

Wenn man über Helfer herzieht muss man auch ein wenig über Orgas herziehen. Und so ergaben sich Geschichten über Geschichten über Geschichten.

Nachdem ich also die sicheren Sprüche und das Grundthema hatte, musste ich aber den nächsten Schritt angehen.

Die Verbindung

Ein Buch/Film benötigt eine Handlung die über die Einleitung bis hin zum Showdown führt. Bei einem Comedyprogramm ist es sehr oft ähnlich.
Als Komiker muss man darauf achten, dass man seine Sprüche miteinander verbindet. In meinem aktuellen Programm berichte ich zuerst über meine Conpause, von da aus baue ich eine Verbindung dazu auf wie ich meine Frau kennen lernte, von da aus zur Verlobung, von dort aus zum Junggesellenabschied etc. etc. etc.

Je enger diese Übergänge und somit die „Geschichte“ ineinander verflochten ist, desto einfacher wird es dem Publikum der Comedy zu folgen. Es gibt zwar durchaus Geschichtenerzähler und Komiker deren Art es ist das Publikum grösstmöglich zu verwirren, aber kompletten Gagaismus findet man doch eher in Künstlerszenen.

Spontanität und Flexibilität

Comedy ist ein lebendiges Medium. Was heute in Köln lustig ist kann in einem Monat in München bereits komplett veraltet sein. Als Komiker ist es daher wichtig, dass man sich eine Hintertür offen lässt und kaum etwas im Programm in Stein gemeiselt steht.
Ein gutes Comedyprogramm verträgt es spontan Witze einzubauen oder zu entfernen. In den Medien wurde 1 Tag vor dem Auftritt noch etwas behandelt dass perfekt zur Szene oder dem Programm passt? Noch kurz einbauen.

Gerade regionale Geschichten lockern das Verhältnis zum Publikum auf und zeigen ihm, dass man nicht nur sein Programm abspult. Gerade dieses „herunterspulen“ ist in meinen Augen in der Comedy ein extrem schneller Weg es sich mit dem Publikum zu verscherzen. Lieber in Hamburg noch kurz über den Verkehr lästern weil die Leute dort einfach Irre Auto fahren (Tempo 60 in ner Tempo 50 Zone und die hinter mir haben mir immer noch die Lichthupe gegeben….).

Je nach Comedy kann es auch sein, dass einem das Publikum dazwischen ruft und es ist ein grosser Pluspunkt wenn man darauf reagieren kann. Selbst wenn man es oft akustisch auf der Bühne nicht versteht, zeigt eine Reaktion auf das Publikum, dass man sie miteinbezieht.
Trotzdem sollte man darauf achten, dass man an seinem Programm fest hält. Ich hatte auch schon Fälle die bei jedem zweiten Satz dazwischen gerufen haben und irgendwann muss man doch „selektieren“ auf welchen Zwischenruf man eingeht und welchen man überhört. Ansonsten würde man in 5 Stunden noch auf der Bühne stehen.

Einleitung und Ende

Eines muss einem Komiker klar sein wenn er auf die Bühne steht. Er hat jenachdem nur wenig Zeit das Publikum zu überzeugen, dass er es wert ist angeschaut zu werden. Ein Gönnerhaftes Publikum gibt einem die Chance die Witze 3-4 Minuten lang aufzubauen aber meistens muss das Publikum innerhalb von 20-30 Sekunden das erste Mal zum Lachen gebracht worden sein oder es setzt sich der Grundgedanke fest, dass man nicht lustig wäre.

Am Anfang meiner Karriere wählte ich deswegen ein Pikachu-Cosplay als Bühnenoutfit. Es war überraschend und stückweit lächerlich und somit fabrizierte es bereits einen gewissen Lacher bevor ich nur schon den Mund aufmachte. Auch zeigte es dem Publikum, dass auch wenn ich Witze über die Fankultur mache, ich als Cosplayer doch noch dazu gehöre.

Menschen lachen viel lieber, wenn sie von jemandem zum Lachen gebracht werden mit dem sie sich assoziieren können.

Ähnlich wichtig bei einem Comedyprogramm ist das Ende. Zum Schluss muss noch ein Witz her, der sitzt und das Programm abschliesst. Wenn das Publikum einfach sitzen gelassen wird mit den Worten „leider läuft meine Zeit aus. Ich wünsch euch noch viel Spass“ dann bleibt es mit einem leeren Gefühl zurück. Man kann sie eine Stunde lang unterhalten haben aber am Ende bleibt nur noch ein „meh“. Wenn man also ein Programm schreibt muss einem klar sein, wie man es zu Ende bringen will.

Der eigene Style

Dieser Punkt ist vermutlich der schwierigste Teil, da jeder Komiker dies für sich selbst entscheiden muss. Es gibt diverse Sparten von Komikern aber jeder ist einzigartig.

Es gibt zum Beispiel die Komiker welche ihren Style dadurch definieren, dass sie selbst bereits „Speziell“ sind. Sei es ein Maddin Schneider der durch seinen Dialekt und sein wortwörtlich grosses Maul den Eindruck erweckt, dass er beschränkt wäre und das Publikum dazu animiert über ihn zu lachen. Oder eine Cindy aus Marzahn die sich als Proletenschlampe ausgibt.

Diese Form der Komiker kann sich sehr viel herausnehmen, da sie im Publikum das Gefühl auslösen sozial unter ihnen zu stehen, darum dürfen sie das. Der Hofnarr war auch der einzige der den König kritisieren durfte.

Auch Rüdiger Hoffmann ist ein Komiker dessen Comedy deswegen funktioniert, weil durch seine langsame Art die Witze erst richtig sitzen.

Eine andere Form der Komiker sind diejenigen die sich gezielt über andere lustig machen. Ein Mario „Die Hyäne“ Barth welcher über seine Frau spricht fällt genauso in diese Kategorie wie ein Ingo Appelt der dem Publikum die geschmackliche Grenze zeigt, darüber tritt, nochmal darauf zeigt und danach darauf spuckt.
Beide tun dasselbe. Der eine jedoch aufgekratzt und der andere ganz ruhig und fies.

Ich persönlich betrachte meine Comedy eher als „Stammtischphilosoph“. Ich stelle mir gerne vor, dass was und wie ich auf der Bühne meine Geschichten erzähle, ich genausogut an einem Animetreff an einem Tisch mit 4-5 anderen Leuten erzählen könnte. Daher ist es mir auch möglich spontan auf Zwischenrufe zu reagieren, da an einem Tischgespräch ja auch die anderen Leute etwas erzählen würden.

Eine Ausnahme war bei mir das Programm „Con ist Krieg“.

In diesem Programm wusste ich, dass ich einige böse Sprüche würde ausgraben müssen. Sowohl über Cosplayer als auch über andere Showgruppen etc.
Ich wollte hierbei aber irgendwie klar machen, dass einige dieser Aussagen niemals von mir so böse gemeint wären wie ich sie bringe. Aus diesem Grund nutzte ich das Stylmittel des „Alter Ego“ und führte mein Programm als Kriegsgott Ares durch.

Um diesen Wechsel zu untermauern gab es auch ein Introvideo in dem mich „Ares“ auch ausknockte. Respektive am Ende des Programms einen schnellen Kostümwechsel um nochmal darauf hinzuweisen, dass wir nicht zwingend derselbe Charakter sind.
Dass Ares am Ende noch einen auf den Deckel kriegt, war auch psychologisch ein wichtiger Faktor um dem Publikum zu zeigen, dass der Kerl zwar über die Szene ablästern kann, aber nicht ungestraft davon kommt.

Ich denke es sind kleine Nuancen wie diese, die darüber entscheiden können ob ein Programm ankommt oder nicht und jeder Komiker muss sich folgende Fragen stellen.

Wie möchte ich auftreten?
Was möchte ich erzählen?
Wie kann ich Style und Inhalt kombinieren?
Was habe ich für ein Publikum?
Wie beginne ich mein Programm?
Wie beende ich es?

Ja… aber was ist denn nun lustig?

Alles ist lustig.Und alles ist nicht lustig.

Wenn ihr euch auf die Suche nach lustigen Inhalten macht. Sucht nicht zu weit. Sprecht mit Freunden oder auch Fremden. Worüber lachen sie? Was für Geschichten erzählen sie? Wenn man zu viert über etwas lachen kann stehen die Chancen gut, dass man auch zu 100 darüber lachen kann. Vorausgesetzt jeder weiss Bescheid und wer nicht Bescheid weiss, wird trotzdem nicht ausgegrenzt.

Holt euch Probeleser oder noch wichtiger Probehörer. Leute die euch ehrlich sagen wenn sie das Gefühl haben, dass eine Pointe zu lange auf sich warten lässt.

Generell gilt wenn Ihr eigene Comedy schreiben wollt. Wisst worüber ihr sprecht. Es gibt hierfür wichtige Punkte.

1. Observation

Beobachtet eure Umgebung. Beobachtet die Szene. Beobachtet das Leben. Es geschehen so vieleDinge um uns herum worüber wir lachen können. Wir müssen sie nur finden.

In meiner täglichen Arbeit als Informatiker habe ich zum Beispiel öfters Benutzer/innen die am Telefon herumheulen und einem massiv auf den Zeiger gehen. Man kann sich darüber aufregen oder sich darüber amüsieren.

2. Analysieren

Wenn man über etwas lachen kann, sollte man sich überlegen wieso man darüber lacht. Sobald man weiss was genau daran lustig ist kann man zum nächsten Punkt kommen.

In meinem oberen Beispiel habe ich mich zum Beispiel fürs amüsieren entschieden. Diese Form der Benutzer/innen ist deswegen lustig, weil ihr Verhaltensmuster absolut vorhersehbar geworden ist. Sie rufen an, sie heulen rum und als Supporter sitzt man da, hält den Kopfhörer weg und wartet darauf, dass das Surren im Hörer aufhört, damit man das Problem beheben kann.

3. Darstellen

Sobald man weiss was lustig ist und weswegen, muss man sich überlegen wie man es dem Publikum darstellen kann. Der Komiker hat relativ viel Zeit darin investiert herauszufinden was lustig ist und nun muss er es in kurzer Zeit dem Publikum offenbaren. Hierbei ist es auch hilfreich wenn man gelegentlich ein wenig übertreibt.

In meinem Fall sind dies die oben genannten Benutzer/innen oder wie ich sie freundlich im Support nenne. Die Fliegen.

Die Fliegen deswegen, weil sich ein Telefonat mit ihnen etwa genauso verhält. Kaum den Hörer abgenommen drängt einem auch schon dieses wehleidige, hochtönige Geweine in die Ohren wie eine Fliege welche einem um Mitternacht um die Ohren fliegt.
Und es ist ja nicht nur das nicht enden wollende rumgeheule. Nein. Diese Anrufer verhalten sich auch noch ähnlich stur wie so eine dämliche Stubenfliege.

Sag einem Benutzer er soll die rechte Maustaste drücken, so wird er garantiert doppelklicken, links klicken oder Word starten. Öffne ein Fenster für eine gefangene Fliege und sie wird weiterhin nonstop gegen die geschlossene Scheibe klatschen….

Daher. FLIEGE

Schlussendlich könnte ich hier noch extrem lange schreiben aber ich denke ich lasse es dabei. Ich hoffe ich konnte einigen Leute ihre Fragen beantworten die sie zum Thema Comedy hatten. Wichtig ist hierbei noch zu erwähnen, dass jeder Komiker seinen eigenen Weg finden muss und ich verweise hierbei noch gerne auf ein Lehrvideo von „Mr. Bean“ Rowan Atkinson.  https://www.youtube.com/watch?v=E9fsn6lQBV4

Solltet Ihr weitere Fragen haben schreibt es mir doch einfach hier oder auf Facebook 🙂

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5 Kommentare

  1. Sabine Petersen said,

    Hallo,

    die Ideen sind da, aber ich habe keine Ahnung wie ich das schreibe. Macht man sich eher Stichpunkte, oder arbeitet man das richtig aus? Wie bekomme ich eine Linie hinein?
    Hast Du schon mal erlebt das keiner lacht?
    Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen

    Grüßle Sabine

    • shinjischneider said,

      Hallo Sabine.

      Wenn ich ein Programm schreibe mache ich meistens eine Mischung aus Beidem. Ich schreibe mir Ideen als Stichpunkte auf über die ich gerne sprechen würde. Zum Beispiel „Typische Sprüche von Conhelfern“ oder „Keine Ahnung bin nur Helfer.“
      Darauf baue ich dann meistens auf.
      Manchmal habe ich auch bereits Ideen für komplette Sätze. Die schreibe ich dann komplett auf.

      Generell wenn ich Comedy schreibe teste ich meine Sprüche gerne im Vorfeld. Aktuell singe ich zum Beispiel eine Kombo aus Pokemon und Aladdin. Ich habe letztes Jahr bereits an 1-2 Cons immer mal wieder mit Leuten gesprochen und diesen Song/das Thema fallen lassen. So konnte ich das Wasser erproben ob der Witz ankommt oder nicht.

      Meine Comedy ist auch so aufgebaut, dass ich mit dem Publikum so spreche wie ich es auch mit Freunden/Bekannten an einer Party tun würde. Wie würdest Du jemandem eine Geschichte erzählen? Wenn Du Freunde unterhalten kannst, kannst Du auch Publikum unterhalten.

      Die Übergänge sind wirklich schwierig teilweise und ich hatte nicht selten das Problem, dass ich keine sauberen Übergänge gefunden habe. Im absoluten Notfall kann man auch mal Ausnahmsweise hinstehen und zugeben einfach keine gute Überleitung gefunden zu haben. Dann muss die folgende Geschichte aber wert sein erzählt zu werden 😉

      Perfekt ist es eigentlich, wenn Du mit dem Ende des Programms wieder irgendwie an den Anfang anknüpfen kannst. Oder wenn jedes einzelne Unterthema zu einem Hauptthema passt (Con ist Krieg z.B. hatte immer mit Condramen zu tun).

      Was deine Frage mit dem Lachen anbelangt… ja.

      Es gab Auftritte bei denen ich vorne stand und mich wirklich fragte wieso ich mir das antue. Das Publikum sass ziemlich Regungslos da und ging kaum auf mich ein. Da hilft dir nur dein Programm einfach durchzuziehen.
      Es muss übrigens auch nicht heissen, dass dein Programm schlecht ist. Ich hatte schon das Erlebnis, dass genau dasselbe Programm an einer Con absolut bejubelt wurde und an einer anderen Con kaum Feedback kam.
      Ich habe es auch schon erlebt, dass das Publikum den ganzen Auftritt lang ruhig war aber danach Online Kommentare kamen wie „Der Auftritt war voll lustig“.

      Wenn Du mehr Fragen hast steche ich dir gerne zur Verfügung.

      Gruss
      Shinji

      • Sabine Petersen said,

        Vielen herzlichen Dank für Deine rasche Antwort, das hat mir ehrlich sehr geholfen. Dann war ich ja schon mal auf dem richtigen Weg!
        Ich wünsche Dir für die Zukunft gaaaaaaaaaaaaanz viele Lacher!!!!!!

        Liebe Grüße
        Sabine

        • shinjischneider said,

          Danke 🙂
          Ich wünsche Dir dasselbe und viel Erfolg mit deiner eigenen Comedykarriere. Vielleicht seh ich ja auch mal was davon 🙂

          • Sabine Petersen said,

            Danke, da muss ich zwar gleich selber lachen, aber wer weiß!
            Lg Sabine

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