Follow up: Quo Vadis

27. Januar 2012 at 03:42 (Nicht kategorisiert) (, , , , , , , , , , )

Mein letzter Blog, respektive die zahlreichen Reaktionen darauf haben mich ehrlich gesagt ziemlich überrascht.
Ich hatte mit den üblichen 3-4 Kommentaren gerechnet und mit einigen Leuten die mich anschnauzen würden, aber das Feedback von zig geteilten Links und rund 80 Kommentaren machen es mir unmöglich auf jeden einzeln zu antworten.

Die Reaktionen auf meine Frage zum Stand der Szene waren so breit gefächert, wie sie es nur sein können. Manche Leute stimmten mir 100% zu während andere Leute mir zu 100% widersprachen. Manche äusserten sich, dass ich komplett falsch liege, nur um mir dann trotzdem Recht zu geben und andere stimmten mir in Punkten zu, welche sie selbst mit Füssen treten.

Ich habe mich daher entschieden nochmal das Thema hervor zu kramen um nochmal auf einige Fragen, Kommentare, Reaktionen aus meiner Sicht einzugehen.

 

1. HipHop

Ich hatte es bereits befürchtet und es trat ein. Das Thema HipHop und Metall wurde stärker bewertet, als ich es beabsichtigt hatte. Als ich geschrieben habe, dass es früher kaum jemanden in der Szene gab der Hiphop hörte, sollte dies niemals wertend über die Qualität von HipHop, Metall, Dubstep oder sonstige Musikrichtungen gemeint sein.
Es sollte eher auf die Verbreiterung der Szene darstellen die von einer extremen Randgruppe zu etwas nahezu Alltäglichem geworden ist.

 

2. Alkohol

Das Thema Alkohol wurde ebenfalls zweigeteilt aufgenommen, weswegen ich wieder zu dem Thema zurück kehre. Ich persönlich trinke keinen Alkohol. Er schmeckt mir nicht, ich verstehe den Sinn nicht dahinter (ausser als Desinfektionsmittel) und meine direkten Erfahrungen mit Alkohol, respektive alkoholisierten Personen, waren durchs Band hindurch eher negativ. In meinen Augen fördert Alkohol die schlechtesten Seiten im Menschen.
ABER… und der Punkt ist wichtig und sollte beachtet werden. Diese Erfahrungen beziehen sich auf Komasäufer und sonstige Vollidioten. Leute die nur dann Spass haben können wenn sie sich am Sonntag nicht mehr an den Samstag erinnern können, Mädels die ihr erstes Mal nicht einem romantischen Abend sondern einem Blackout zu verdanken haben und Kerlen die sowas noch cool finden und fahren mit 1,8 Promille als Kavaliersdelikt betrachten.
Was für mich shizophrenerweise nicht unter “Alkohol” fällt, ist ein Glas Wein am Tag, oder ein Horn Met oder generell der disziplinierte Umgang mit Alkohol.

Warum erzähl ich das nun? Relativ simpel. Früher war meine (eher radikale) Einstellung zum Alkohol stärker in der Szene vertreten. Die Komasäufer waren für die Mitglieder der Szene eines der perfekten Beispiele was mit der Gesellschaft schief läuft und weswegen wir die Bezeichnung “Normalo” als Schimpfwort abstempelten.
Bis heute hat sich bei vielen in meinem Freundeskreis der Stolz gehalten, dass wir uns auch ohne Alkohol amüsieren können. Fälle wie das betrunkene Bisasam an der Hanami unterstreichen diese Meinung nur noch.

Dass sich die Fans mittlerweile auch mal ein Glas Alkohol gönnen sei ihnen erlaubt. Es zeigt, dass die Szene auch in dieser Hinsicht in die Breite gewachsen ist und sollte daher nicht unbedingt verteufelt werden. Wenn sich allerdings Orgas an den eigenen Cons besaufen… ja das kann ich ned wirklich beschönigen.

 

3. Die Kiddies

Dieses Wort habe ich in den Reaktionen sehr oft gehört. Die “Kiddies”. Stimmt. Weil nur die jüngere Generation ist schuld an den heutigen Problemen. Die Jugend von Heute hat keinen Anstand mehr. Als ich in deren Alter war, musste ich 10Km barfuss durch den Schnee laufen um meine Animes noch in der Bäckerei zu kaufen.
Ihr seht worauf ich hinaus will.

Ja, die jüngere Generation der Animefans hat einen anderen Bezug zu der ganzen Szene und Anime/Manga generell, das bedeutet aber nicht, dass wir die Schuld mal einfach auf die jüngeren abschieben können. Wenn ich beim Drama und den Hintertürchenmachenschaften etwas gelernt habe, dann dass der Fisch überall stinkt, nicht nur vom Kopf oder vom Ende her.
Wie sollen die Jüngeren die Älteren respektieren, wenn diese sie nur als Trottel ohne Manieren betrachten?
Wir alle waren jung und haben manchmal extrem dumme Aktionen geliefert, was damals jedoch anders war als heute, war die Tatsache, dass man gegenseitig aufeinander geachtet hat. Die Erfahreneren (nicht zwangsweise Älteren) namen die Übermütigen unter ihre Fittiche. Wer über die Stränge schlug wurde zurechtgewiesen und lernte sich zu benehmen. Ansonsten war er in der Szene bald nicht mehr so gern gesehen (so heftig das nun klingt).
Heutzutage findet diese Massregelung nicht mehr statt. Die Problempersonen scharen sich zu Problemgrüppchen zusammen und müssen keine Sorge mehr davor haben wenn sie negativ auffallen. Da ist es egal ob sie 15,25 oder 35 sind. Seien es die Rosenbeete der Dokomi, abgesperrter Neurasen bei der Connichi oder Treffen in einem Starbucks. Man ist “unter sich” und wirft Verhaltensregeln über Bord.

 

4.  Mobbing

Jemand hat mich gefragt warum ich damals in die Szene gekommen wäre. Weil ich eine Selbsthilfegruppe für Mobbingopfer gesucht hätte oder weil ich Anime/Mangafan war?
Hierzu muss ich etwas einfaches sagen. Es war dasselbe.
Als ich vor 13-14 Jahren in die Szene geschliddert bin, waren 85% der Animefans nunmal einfach Mobbingopfer und das nicht weil sie Animefans waren. Es war eher so, dass Mobbingopfer dem Thema Anime und Manga einfach offener gegenüber standen als die “coolen” Kids.
Und die Szene war damals eine Selbsthilfegruppe und ist es in manchen Bereichen immer noch. Es war und ist eine Möglichkeit mit Leuten in Kontakt zu kommen die einen akzeptieren wie man ist und es bietet einem die Möglichkeit seine Grenzen etwas auszutesten und sich selbst zu erkennen.

“Wenn ich nicht in die Animeszene gekommen wäre, könnte ich nicht dafür garantieren, dass ich nicht Selbstmord oder einen Amoklauf begangen hätte.”

Dieser Satz ist weder Übertreibung noch ein Scherz sondern 100% ernst gemeint und er trifft auf mehr Leute zu als man denken sollte.  Sowohl damals als auch heute. Ein weiterer Grund wieso ich hoffe, dass sich manche Leute wirklich überlegen wie man mit den anderen Fans, oder anderen Menschen generell umgeht.

 

5. Du übertreibst. So schlimm ist es nicht.

Natürlich übertreibe ich. Das ist ein Blog. Ich komme schon auf 1500 Wörter wenn ich pauschalisiere und übertreibe. Nun stellt euch mal den Roman vor, wenn ich jeweils ins Detail gehen und erklären würde, dass es diese Variation und jene gibt.
Aber jetzt ernsthaft.
Die Szene hat Probleme wie alles andere auch. Wie schwerwiegend diese Probleme sind, stellt eine subjektive Darstellung für jeden dar. Für mich persönlich sind sie schwerwiegend genug mich hier drüber aufzuregen und nen blöden Blog zu schreiben. (Ein Hoch auf das Internet ;) )

 

6. Cosplayer sind nicht so schlimm

Bei meinem Blog wurde mir teilweise unterstellt, dass ich ziemliches Cosplayerbashing betrieben hätte. Es liegt mir fern hier nur über Cosplayer ablästern zu wollen. Zum Einen sind der Grossteil meiner Freunde Cosplayer (die ich grösstenteils sogar nur dadurch kennen gelernt habe) und zum Anderen zähle ich mich selber ja auch dazu (auch wenn die Qualität meiner Werke bei weitem nicht so gut ist wie die anderer).
Es ist aber leider nunmal so, dass die Probleme der Szene sich am einfachsten an der Cosplayszene ablesen lassen. Es gibt natürlich auch heute noch Cosplayer die die liebsten Menschen überhaupt sind. Sie helfen anderen wo sie nur können. Seien dies Cosplayer die bei Wettbewerben teilnehmen oder nur generell cosplayen. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass es noch nie soviele nette und freundliche Cosplayer wie früher gab.
Es gibt aber auch die Dramaqueens die versuchen 1000 Facebookfreunde zu kriegen damit jeder ihren Cosplaylink teilt und die an Cons die wunderbarsten falschen Freunde sind die man sich vorstellen kann. Letztere lassen einen wünschen, dass an jedem Cosplaywettbewerb eine versteckte “Fairness-Jury” agiert ;)
Und auch von denen gibt es viel mehr, als jemals zuvor.
Es gibt einfach generell viel mehr Cosplayer als zuvor und wenn man Pech hat landet man in einer der Gruppen die sich nur noch selbst sehen und man lässt sich in den Sumpf ziehen.
Das fängt damit an, dass man beginnt sich mit anderen Cosplayern die dasselbe cossen zu messen und geht damit weiter über die nicht so gut gearbeiteten Cosplays zu lästern. Irgendwann endet es damit, dass man eigentlich keine Freunde mehr ausser seiner eingeschworenen Gruppe hat und von Con zu Con fährt und Dinge deswegen cosplayt weil die Gruppe es cossed und nicht weil einem etwas am Charakter liegt.

 

7. Eventuell sollte man das Thema öffentlich zur Sprache bringen

Dies ist ein Punkt, bei dem ich zwiegespalten bin. Ich denke eine Podiumsdiskussion wäre eine interessante Sache, wenn sie richtig gehandhabt wird. Ich habe meinen Blog bewusst nicht auf Animexx gepostet, da ich zwar mit einem Shitstorm gerechnet habe, ihn aber etwas geordneter regeln wollte als dass ich ins Hornissennest der Szene reinsteche ;)
Bei einer Diskussionsrunde sollte das Thema nicht davon handeln, wer sich wie daneben verhält, sondern dass das Thema Respekt wieder grossgeschrieben wird.
Ich denke das ganze in einem Forum ist einfacher zu diskutieren als im Blog. Leider besitze ich nur mein eigenes Forum und dort müsste man sich anmelden. Jemand könnte auch einen Thread bei Animexx eröffnen aber ICH mache das nicht ;)

 

8. Respekt

Dieser Punkt ist für mich das Kernthema. Wenn wir wirklich etwas verändern wollen, dann müssen wir anfangen unsere hochgelobte Toleranz und den Respekt wieder vorzuleben.
Die Älteren müssen die Jüngeren wieder respektieren. Die Jüngeren müssen die Älteren respektieren. Cosplayer sollen sich gegenseitig respektieren. Conbesucher sollen die Regeln respektieren, genauso wie Helfer und Orgas die Besucher respektieren müssen.
Wenn sich eine Organisation selbst die Nächste ist, kann sie nicht erwarten dass ihre Besucher sie noch ernst nehmen. Und wenn die Besucher sich weiterhin versuchen in Cons zu schleichen oder sich in Büschen zu verlustieren, wird dies plötzlich zu weiteren Zaunimagics führen.

 

9. Das Alles bringt doch nichts

Stimmt. Was ich hier schreibe bringt gar nichts, ausser dass es vor allem die Leute zum Denken animiert, welche mir grössenteils eh schon zustimmen und Gegenreaktionen von Leuten hervorruft die es anders sehen, zu tief im Sumpf stecken oder einfach aus Prinzip anderer Meinung sind.
Ich persönlich denke, dass es etwas bringt, wenn wenigstens die die es interessiert sich immer wieder vergewissern, dass sie andere respektvoll behandeln. Ich erwarte nicht, dass ihr Müllspechten hinterher aufräumt oder Grüppchen zurecht weist. Dies wird eh meistens nichts bringen.
Aber ich hoffe dass ihr selbst auf euren Müll achtet und eure Freunde darauf hinweist den Müll nicht liegen zu lassen oder sich nicht über die Cosplayerin mit dem grösseren Körperbau lustig zu machen.
Wenn sich dank meinem vorherigen (oder diesen Blog) nur eine Person um mehr Respekt bemüht, dann hat sich bereits etwas geändert.

 

10. Und wie geht es mit der Szene nun weiter?

Das wird sich wohl zeigen. Die älteren Orgas erreichen langsam den Zeitpunkt zu dem sie diesen Blödsinn schon seit zehn Jahren machen und sich eventuell endgültig ihrem Privatleben widmen wollen. Wenn die Cons nicht gut übergeben werden können, werden sie verschwinden.
Kleinere Cons werden an ihre Stelle treten. Die grossen Gruppen werden sich vermutlich verstärkt in kleinere Gruppen aufteilen. Die ersten sogenannten “Gammelcons” existieren bereits und es werden mehr davon werden.
Schlussendlich läuft das ganze auf drei Szenarien hinaus.
- Alles bleibt wie es ist.
- Es wird schlimmer und irgendwann gibt es einen riesigen Knall
- Die Situation wird sich normalisieren (entweder weil der Hype um A/M verschwindet oder weil sich alles etwas auflöst und in kleinere Grüppchen verteilt)

 

11. Aber ist das nicht ein gesellschaftliches Problem?

Doch. Die komplette Gesellschaft ist egoistischer und agressiver geworden.  Mehr denn je ist uns bewusst, dass wir von Politik und Wirtschaft verarscht und ausgenutzt werden. Aber sollten wir wirklich mit Gewalt und Respektlosigkeit uns selbst gegenüber darauf reagieren? In London raubten “Demonstranten” im Protest gegen die korrupten Banken und Politiker kleine Familienbetriebe aus oder klauten sich gegenseitig die Geldbörsen.
Nur weil uns Unrecht getan wird, dürfen wir dies nicht mit Unrecht anderen gegenüber vergelten.

Und hiermit endet die Predigt. Was ich sagen wollte ist soweit gesagt und falls mir noch etwas einfällt behalt ich es für mich oder auch nicht :)
Wie oben erwähnt wäre ich froh das Thema grösser in einem Forum oder dergleichen diskutieren zu lassen, denn das Thema verdient mehr als nur via Kommentarfunktion besprochen zu werden.

4 Kommentare

  1. Arcadia sagte,

    Amen. Bin jetzt erst auf deinen wordpressacc gestoßen. Les mir den vorigen Beitrag noch mal durch. Aber das stimmt. Da ich selbst zu den älteren gehöre und mich im Shchnee sehe während die “Jugend von heute” sehr viele anime und Manga praktisch überall kaufen und Zeichenbücher usw. bekommen können. Ja…da werde ich neidisch und pack mir gerne dabei selbst an die Nase.

    Stichpunkt Cosplay: Es ist (überdramatisiert drama baby) Krieg.
    Man traut sich schon gar nicht mehr seinen Lieblingschara zu cossen, weil Person XYZ meint du bist zu dick, zu dünn zu klein Nase passt nicht zum character etc… *seuuuuftz*

    *mit einem übernächtigten Nicken verschwindet*

  2. CaptainCalvinCat sagte,

    Das kenn ich, mit dem “Man traut sich nicht seinen Lieblingschara zu playen”. Oder auch schön – ein originaler Satz, der auf der Connichi 2009 gefallen ist: “Ich hoffe, die schlechten Cosplayer machen das, damit wir uns besser fühlen”.
    Das war so der Moment, in dem ich gemerkt hab, diese Szene kann genau so verlogen sein, wie der Rest der Gesellschaft.
    Ich geh dieses Mal wieder hin, mal schauen… ich cosplay auch wieder – zwar bezweifel ich, dass ich erkannt werde, aber ich hab dieses mal einen Sonic Screwdriver gekauft… das müssten Whovianer (Also Dr. Who Fans) zumindest erkennen. Hoffe ich. ^^

    Wenn nich, is auch nich schlimm.

  3. Anonymous sagte,

    Auch ich kann dir (mal wieder) nur zustimmen. Mehr kann ich dazu nicht wirklich beitragen (noch nicht auf so vielen con’s gewesen), ausser dass ich diese Respektlosigkeit schon mehrfach gesehen habe und ich mich (bezogen auf die normale Chisaii) nur wundern kann, dass Orgas und Helfer das immer und immer wieder durchmachen.

    Kurzer kommi, wenig Sinn, meine Meinung.

  4. Zitronenherz sagte,

    Vorweg – tut mir leid, dass ich einen etwas längeren Kommentar dalasse, der im wesentlichen wahrscheinlich nur schon x-mal zerredete Standpunkte wiederholt, aber ich hab zwischendurch einfach nur noch das Bedürfnis gehabt, mir das wirklich mal von der Seele zu schreiben °:D

    Ich finde, du hast einfach nur Recht mit dem, was du schreibst.

    Ich gehöre zwar nicht zu den ganz alten Hasen, aber mit 22 nun doch schon zu den zumindest etwas Älteren.
    Die erste Con, die ich besucht habe, war die AnimagiC 2004; das war zu dem Zeitpunkt wirklich eines der tollsten Erlebnisse meines bis dahin noch jungen Lebens, und mir gefiel vor allem, dass alle untereinander so freundschaftlich waren, dass irgendwie jeder jedem gegenüber offen war und man einfach mit jedem ins Gespräch kommen konnte.
    Als wären wir wirklich alle gleich, sozusagen, als würde dieses gemeinsame Hobby Anime&Manga uns zu gleichwertigen Menschen machen, die vom Gefühl her alle ein riesiger Haufen Freunde sind.
    Im Jahr darauf habe ich angefangen, selber zu cosplayen, und auch da war alles noch toll – genauso wie ein paar weitere Jahre.

    Aber dann, irgendwann, fing alles auf einmal an, anders zu werden; noch größer, was ja nicht zwingend schlecht ist, aber auf eine gewisse Art und Weise auch viel unpersönlicher, viel unfamiliärer und viel unfreundlicher.

    Mich selbst beschäftigt dahingehend vor allem das Thema Cosplay; früher war es viel mehr der Fall, dass man auch als durchschnittlicher oder, wie in meinem Fall, zudem noch etwas fülligerer Cosplayer angesprochen und fotografiert wurde; oder dass Leute, die Charaktere aus derselben Serie cosplayen, einem autoamtisch interessiert oder zumindest freundlich gegenübertreten.
    Heute kommt es mir eher so vor, als würde jeder Cosplayer seinen eigenen Fotografen mitbringen, beziehungsweise, als würde nur noch untereinander, in der eigenen Gruppe fotografiert – und diese Fotos sind natürlich besser als die der anderen, genau wie das eigene Kostüm es auch als einziges Wert ist, fotografiert zu werden.
    …allein schon, dass dieser Druck überhaupt existiert, dass es wirklich Cosplayer gibt, die diesen kranken Ehrgeiz entwickeln, das beste, tollste Cos und natürlich die hochwertigsten Fotos zu haben, dass es Leute gibt, die besser sein wollen als andere, die sich einbilden, als einzige ein Recht darauf haben, Charakter XY zu cosplayen, das finde ich einfach nur sowas von zum Kotzen, dass ich da echt keine schöneren Worte für finden kann.
    Ich meine -
    Klar ist wahrscheinlich die schlanke, hübsche SailorMoon-Cosplayerin ein einfach schönerer, ästhetischerer Anblick als die etwas dickere, die vielleicht auch noch ein paar Pickel hat – aber darum geht es doch nicht, das versteht bloß keiner. Die Dicke mit den Pickeln weiß, dass sie keine Schönheitskönigin wird, der geht es um den Spaß an der Sache.

    Mir jedenfalls ging es auch immer um den Spaß, ums Zusammensein mit Freunden -
    Aber es scheinen immer mehr Leute genau das aus den Augen zu verlieren, den Spaß, die Freude, weil sie mit falschem Ehrgeiz zu beschäftigt sind.

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